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Menschen mit Handicap haben Potential

In Deutschland hat sich in den letzten Jahren erfreulicherweise einiges im Hinblick auf eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verändert. Dank Bundesteilhabegesetz und vieler anderer Regelungen wird heutzutage viel dafür getan, dass jeder möglichst selbstbestimmt leben kann“, stellt Sabine Edner, Chefin der Agentur für Arbeit Dessau-Roßlau-Wittenberg fest.

Reicht das? „Nicht wirklich“, so Edner. Zwar wurde in den letzten Jahren viel in die Barrierefreiheit investiert und immer mehr Einrichtungen – von der Kindertagesstätte über Schulen bis hin zu Behörden – sind mittlerweile inklusiv und nehmen Menschen mit Handicaps auf. Noch nie waren Menschen mit Behinderung so akzeptiert wie heute. Aber von der Akzeptanz zur Inklusion ist es eben noch ein weiter Weg“, weiß die Agenturchefin.

Inklusion bedeutet schließlich, dass alle Menschen zusammen leben, lernen und arbeiten und niemand dabei ausgeschlossen wird. „Ein häufiges Missverständnis dabei ist, dass es dabei nur um Behinderte geht. Es geht um alle, egal welche Einschränkung man hat“, so der Hinweis von Edner.

Barrieren in den Köpfen

Aktuell leben über zehn Millionen Bürger mit Beeinträchtigungen in Deutschland. Das ist jeder Achte.
Der demografische Wandel wird diese Zahl vermutlich in den kommenden Jahren noch weiter steigen lassen.
Das ist eine immense Herausforderung für unsere Gesellschaft. Nicht in erster Linie wegen der Barrieren in und an Gebäuden, sondern wegen der in den Köpfen. „Leider sehen immer noch viele zuerst das, was behinderte Menschen nicht können, statt ihre Potentiale zu erkennen. Unsere Erfahrung ist, dass Menschen mit Handicap im Schnitt sogar höher qualifiziert sind als nichtbehinderte. Und obwohl sie sehr motiviert sind, scheuen sich noch viele Arbeitgeber, sie einzustellen. Lieber zahlen sie eine Ausgleichabgabe, anstatt die gesetzliche Beschäftigungsquote von fünf Prozent zu erfüllen“, stellt Edner fest.
Trotz Schwerbehinderung befindet sich über die Hälfte aller Betroffenen in einem Beschäftigungsverhältnis. Dabei sind sie im Unternehmen so gut integriert, dass ihre Kollegen oftmals nichts von deren Beeinträchtigungen wissen.
Sind sie jedoch arbeitslos, gelingt es ihnen seltener, eine Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt aufzunehmen, als Menschen ohne Handicap.

Aktuell sind im Agenturbezirk Dessau-Roßlau 750 schwerbehinderte Menschen arbeitslos gemeldet. Mehr als ein Drittel sind älter als 55 Jahre und 80 Prozent verfügen über eine abgeschlossene Ausbildung bzw. einen Studienabschluss. Sie suchen in fast allen Berufsgruppen. Die meisten von ihnen haben einen Abschluss in Berufen der Unternehmensführung und -organisation, gefolgt von Gebäude- und versorgungstechnische Berufe, dem Bereich Verkehr und Logistik sowie im Bereich Erziehung/ Soziales/ hauswirtschaftliche Berufe.

Aufklärungskampagne

„Zumindest für das Ziel eines inklusiven Arbeitsmarkts ist die aktuell gute Konjunktur hilfreich. Gerade in Zeiten des zunehmenden Fachkräftemangels könne es sich niemand mehr erlauben, Potentiale ungenutzt zu lassen. Je mehr Inklusion gelebt werde, desto selbstverständlicher wird sie. Das gilt natürlich nicht nur für die Arbeitswelt. Viele Menschen bleiben nur deshalb auf Distanz, weil sie unsicher seien. Deshalb ist es wichtig, dass schon Kinder durch persönliche Begegnungen einen unverkrampften Umgang mit Behinderungen lernen“, ist sich die Agenturchefin sicher.

Quelle: Wochenspiegel

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