Deine Augen sind so schön

In der Vorschulklasse, die eine meiner Töchter besucht, gibt es ein sehbehindertes Mädchen. Vor einigen Tagen meinte Sophie als ich sie ins Bett brachte: „J. hat so schöne Augen, solche möchte ich auch haben.“

Ich antwortete: „Sie hat schöne Augen und auch du hast schöne Augen. Der liebe Gott hat alle verschieden gemacht. Einzigartig.

Andere Aspekte habe ich (noch) außen vorgelassen. Hätte ich ihr beispielsweise gesagt, dass eine Behinderung auch Schwierigkeiten mit sich bringt, hätte sich ihre Bewunderung in Mitleid verwandelt.

Ein wichtiges Thema finde ich.

Ich denke, dass das auf das Kind selbst, auf die Fragen des Kindes und auf sein Alter ankommt und ich sehe es so, dass die Einzigartigkeit der Menschen und die Hilfsbereitschaft (Mitgefühl statt Mitleid) an erster Stelle stehen sollte.

Ich würde gerne wissen wie andere über dieses Thema denken und mit Fragen und Äußerungen der Kinder umgehen.

Anmerkung: der liebe Gott ist bei uns das gesamte Universum mit allem Drum und Dran. Kein Mann der vom Himmel aus alles sieht 😉

Fussi (unglaublich leicht)

10 thoughts on “Deine Augen sind so schön”

  1. Augen sind das Fenster zur Seele 🙂 Ich finde solche menschen die nicht mehr so sehen können faszinierend wie sie das Defizit ausgleichen in dem ihr Tast und Hörsinn um so besser ausgeprägt ist. Zu deiner Tochter denk ich das es gar nicht so schlecht ist wenn sie das andere wegen ihrer Augen bewundert das beweisst das Kinder ohne Berührungsängste handeln und denken. Daran sollten sich mancher Erwachsener ein Beispiel nehmen.

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  2. Ich glaube, es gibt nicht „die“ einzige wahre Lösung einem Kind bestimmte Dinge zu erklären, hängt auch vom Kind, dem Alter und den Umständen ab.

    Gut finde ich, dass Du erstmal kein „Drama“ um die Sehbehinderung gemacht hast – ob ein Mensch schöne Augen hat, hat ja auch gar nichts damit zu tun, wie viele Dioptrien jemand hat, wieviel oder ob jemand überhaupt etwas mit den Augen erkennt. Insofern: ja, klar: sie hat schöne Augen, Du hast schöne Augen – Punkt.

    Ein großes Tabu um die Sehbehinderung zu machen, halte ich auch für gefährlich – denn erst dann, wenn Kinder merken, dass Erwachsene über etwas nicht richtig sprechen können oder wollen, bekommen sie bei einer Sache ein merkwürdiges Gefühl.

    Aber ich halte Dich für offen und feinfühlig genug, dass Du das Thema ohnehin demnächst offen und kindgerecht mit Deiner Tochter besprechen wirst. Wenn sie das Mädchen kennt, wird sie es sowieso als ganz „normales“ Kind wahrnehmen, egal auch welche Art und Weise sie „sieht“.

    Liebe Grüße
    Agnes

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    1. Danke liebe Agnes! Und vielen Dank für den Hinweis mit dem Tabu!! Zum Glück ist meine Unsicherheit innerhalb meiner Familie selbst gering und ich komme eher nicht in Versuchung bestimmte Dinge unter den Teppich zu kehren. Sie kommt viel eher im außen und bei Erwachsenen zum Tragen, aber ich arbeite daran 😊 Sophie nimmt das Mädchen bestimmt als „normal“ wahr. Da bin ich auch sehr glücklich darüber.

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    2. Danke liebe Agnes! Und vielen Dank für den Hinweis mit dem Tabu!! Zum Glück ist meine Unsicherheit innerhalb meiner Familie selbst gering und ich komme eher nicht in Versuchung bestimmte Dinge unter den Teppich zu kehren. Sie kommt viel eher im außen und bei Erwachsenen zum Tragen, aber ich arbeite daran 😊 Sophie nimmt das Mädchen bestimmt als „normal“ wahr. Da bin ich auch sehr glücklich darüber.

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  3. Ich habe in einer Förderschule geistige Entwicklung gearbeitet und die Erfahrung gemacht, dass Kinder mit dem Andersein der anderen ganz locker umgehen, wenn man sie lässt. In einer meiner Klassen war auch ein blindes, nichtsprechendes Mädchen. In einem stetigen Lernprozess wurde diese Schülerin in den Unterricht und in den Pausen von allen einbezogen und die Schüler freuten sich immer, wenn sie unterstützen und „helfen“ konnten. Sie lernten im täglichen Umgang, unaufgeregt miteinander umzugehen und Rücksicht zu nehmen, wo es nötig war. Auch die Kinder in Rollstühlen, die Nichtsprechenden, die Lustigen, die Autisten und alle anderen gingen meist sehr sozial miteinander um. Was nicht hieß, dass es keinen Streit und keine Konflikte gab. Aber die Starken haben sich untereinander ausgetobt. Da ging es manchmal wirklich zur Sache. Sie wussten aber immer mit welchen Mitschülern sie sorgsamer umgehen mussten. Seltsam, das habe ich damals im alltäglichen Geschehen zwar registriert, aber gar nicht so wahrgenommen. Herzliche Grüße! Regine

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  4. Kinder sind unvoreingenommen und neugierig, deshalb fragen sie die Erwachsenen, wenn sie etwas Ungewöhnliches sehen oder erleben, wie z. B. mich in meinem E-Rolli in der Strassenbahn, wo sich vor einigen Jahren folgender Dialog entspann: Ein kleines Mädchen, das mich sehr interessiert musterte, um dann ihre erwachsene Begleiterin zu fragen: „Oma, was hat denn der Mann da?“, auf mich zeigend. Worauf die Oma ihr antwortete, was ich schon damals NICHT MEHR FÜR MÖGLICH HIELT: „DAS passiert, wenn der Liebe Gott böse auf Dich ist, und jetzt schau woanders hin!“ Ich dachte erst ich hatte mich verhört, verinnerlichte aber diesen Satz, und antwortete sehr spontan: „Dann dürften Sie gar nicht auf der Welt sein, so bescheuert wie Sie sind!“ Die Alte wandte sich an den Fahrer um sich über mich zu beschweren, der hatte das Ganze aber mitbekommen, und sagte zu ihr wütend: „Wenn Sie nicht gleich ruhig sind und sich auf Ihren Platz setzen, lasse ich Sie aussteigen!!!“ Unter dem Beifall der anderen Fahrgäste trollte sich die Alte auf ihren Platz, und stieg an der nächsten Haltestelle kleinlaut und geduckt aus!!!

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