Wer ist eigentlich behindert?

Derjenige, der am Bahnhof für die Treppen zum Gleis und herunter einen Fahrstuhl nutzen muss? In diesem Fall sind auch Muttis mit Kinderwagen behindert – oder sie WERDEN es aktiv, am Magdeburger Hbf gibt es bei einer Anzahl von 8 Gleisen NUR auf Gleis 6 einen Fahrstuhl. Meine Freundin, die mich mit Baby besuchen wollte, rief mich hilflos von Gleis 3 an.

Die Meinung von Gehörlosen ist sowieso, dass sie nicht behindert sind, sondern behindert werden. Das mag medizinisch zweifelhaft sein, ist soziologisch gesehen aber ein interessanter Gedanke. Wäre die Gesellschaft anders gestrickt, müsste man niemanden behindert nennen, es wäre Alltag, es wäre „normal“, dass Menschen Dinge wie lesen, laufen, hören, reden unterschiedlich gut können.
Jemand hat mal gesagt: 7 Milliarden Menschen auf diesem Planeten sind behindert – den meisten sieht man es bloß nicht an.  Es gibt so viele furchtbar unbedachte, unreflektierte, man möchte sagen dumme Menschen auf dieser Welt – und selbst diese können die Treppe nehmen, während der Rollstuhlfahrer auf 7 von 8 Gleisen in Magdeburg eiskalt an der Teilhabe gehindert wird – weil man zu dumm war, in dieser hoch öffentlichen Einrichtung die eigentlich völlig selbstverständlichen Fahrstühle zu bauen.
Und als gesunder Mensch merkt man dies erst, wenn man ein Baby hat oder von der hilflosen Freundin angerufen wird.

Ein Beitrag von Linn-Kristin (Fussi)

 

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2 thoughts on “Wer ist eigentlich behindert?”

  1. STIMMT SCHON, auch ich bin gehandicapt, nicht behindert, ich werde behindert, durch die Ignorranz der Gestzgeber, Entscheider, Planer und Erbauer in ALLEN Bereichen meines Lebens! Um dieses Statement zu untermauern, möchte ich einen kleinen Einblick in mein Leben gewähren: Ich wurde mit einer vorgeburtlichen Genschädigung durch die Radartätigkeit meines Vaters bei der Bundesluftwaffe 1961 geboren, kam mit 14 Tagen das ERSTE MAL von inzwischen Unzähligen zur 1 von inzwischen 33 Operation(en) in ein Kinderkrankenhaus in Augsburg. Dort befand ich mich fast 2 Jahre. In dieser Zeit wurde mein, unter meinem Oberkörper gelegenes, linkes Bein durch mehrere Operationen soweit begradigt, dass mir mit 2 Jahren meine ERSTE Prothese und Schiene angepasst werden konnte, so dass ich damit nach vielem Üben ohne weitre Hilfsmittel laufen lernte. Ebenfalls mit 2 Jahren erlernte ich das Schwimmen mit einer Schwimmprothese, wo der Fuss durch eine bewegliche Schwimmflosse ersetzt wurde. Meine Schwimmkarriere endete erst 1982!
    Ich konnte mich also allein fortbewegen, nachdem mir die Prothese angelegt wurde, ohne auf andere Personen oder Hilfsmittel angewiesen zu sein. Wir wohnten damals im 1. OG. eines Miethauses, und ich musste diese Treppen mindestens 2 x pro Tag überwinden, bevor wir 1976 in ein eigenes Haus, zu alt um behindertengerecht gebaut zu werden, umziehen konnten. Irgendwie hatte ich es immer geschafft, dorthin zu kommen, wohin ich wollte. Es war zwar immer sehr anstrengend mit der Prothese weitre Strecken zu laufen,oder mehrere Stockwerke hinauf zu gehen, aber wie ich immer sagte: „Das Gebäude, wo ich nicht reinkomme, muss erst noch gebaut werden!“ Das funktionierte irgendwie immer, bis ich 1977 in der BAYER. LANDESSCHULE FÜR KÖRPERBEHINDERTE in München meine Einjährige Kaufm. Berufsfachschule absolvieren sollte. Anfangs bin ich mit meiner Prothese im Hause und Umgebung gelaufen, ABER die Institutionsleitung, hatte die blöde Angewohnheit, die Gänge täglich WACHSEN zu lassen, so dass ich öfter unsanft auf dem Boden landete. Als weder Beschwerden noch Appelle fruchteten,fasste ich den Entschluss, in Zukunft OHNE PROTHESEN durch das Leben zu „fahren“, mit dem Rollstuhl, denich eigentlich bis dahin nur in Notfällen benutzt hatte. Ich zog also die Prothesen aus, und knallte sie unter mein Bett! Nun hatte ich auch das Problem in einem Bau aus dem 19.Jahrhundert auf den Aufzug angewiesen zu sein, der immer wieder seinen Dienst versagte – Schlafräume im 2. OG, Gruppenraum 1. OG, Schulräume Hochparterre, Ausgang EG.! Das bedeutete, die Höhenunterschiede MIT DEM ROLLSTUHL RÜCKWÄRTS, AM HANDLAUF FESTHALTEND, ÜBER DIE TREPPEN zu überwinden!!! Allein in die Stadt oder sich auch nur im Umfeld zu bewegen, war aufgrund fehlender geeigneter Infrastruktur fast unmöglich, so dass wir immer IM PULK AUFTAUCHTEN, darunter mindestens 1 „Fussgänger“, der uns helfen konnte, bauliche oder technische Hindernisse zu überwinden! In unserer Nähe befand sich zwar schon eine U-Bahnstation, doch diese konnte entweder „zu Fuss“, oder mit der Strassenbahn erreicht werden musste. Dort angekommen, fuhren wir rückwärts die vorhandenen Rolltreppen herunter, wobei man immer darauf achten musste, das schnellerlaufende Handband rechtzeitig umzugreifen, da man sonst durch die Kraft aus dem Rollstuhl gezogen werden konnte. Bei der U-Bahn angekommen, musste uns der „Fussgänger“ über die Türschwelle helfen, was den auf Pünktlichkeit bedachten Fahrern teilweise überhaupt nicht passte. Da aber immer einer von uns zwischen der Türe stehenblieb, konnten sie die Türen nicht schliessen, bis Alle von uns in den Wagoons waren.
    DIES ist wie gesagt, nur ein kleiner Auszug meines Lebens. Wer mehr darüber erfahren möchte, kann sich gern melden, Dieter Neumann über PN bei facebook! Auch für tabulose Fragen bzgl. meiner Behinderung oder Lebenslauf stehe ich gern zur Verfügung!!!

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