Normale Bedürfnisse

Hallo ihr lieben,

mein Name ist Paul Eichelbaum.

Also erstmal finde ich es super, wie ihr euch an das Thema in der Öffentlichkeit wagt, denn ich finde das leider viel zu wenig darüber diskutiert wird. Ich muss euch Recht geben, es gibt leider Vorurteile, und das nicht gerade wenig. Beispiel: Ich war in einem Supermarkt und wollte mir ein alkoholisches Getränk kaufen, denn auch ein im Rollstuhl sitzender junger Mann bzw. überhaupt gehandicapte Menschen dürfen sich auch mal etwas gönnen, finde ich.

Also ging ich zum Regal mit alkoholischen Getränken (Bier, Wein, Sekt und Alkopops) und nahm mir ein Six-Pack Misch-Bier (mit Kirsche und Grapefruit) Ich fuhr zur Kasse zum Bezahlen, legte das Pack auf das Band und wartete bis ich an der Reihe war. Hinter mir stand eine Mutter mit ihrem Kind, welches an meinem Rollstuhl rumspielte und sich dabei verletzte. Anschließend beschimpfte mich die Mutter, warum ICH nicht aufpassen könne. Als ich dann endlich an der Reihe war, verweigerte mir die Verkäuferin den Kauf von Alkohol. Trotz Vorzeigen meines Personalausweises verweigerte sie mir den Kauf, und ich verließ den Laden. Nach dieser Aktion hatte ich keine Lust mehr, aber es war leider noch nicht vorbei. Denn ich fuhr auf dem Fußweg, dort stand ein Transporter, der Ware ablieferte. Also fuhr ich auf die Straße, hinter mir fuhr die Straßenbahn, beschleunigte, und machte dann sturmklingeln, der Fahrer war sichtlich genervt von mir. Die Fußgänger liefen einfach an mir vorbei, obwohl ich mehrmals um Hilfe bat. Ich könnte da immer platzen vor Wut! Aber trotz allem gibt es natürlich auch freundliche Menschen. Ich stand an der Straße und wollte sie überqueren, kein Auto hielt an. Zum Glück kam dann ein Mann, der die Autos für mich anhielt, sodass ich die Straße überqueren konnte. Er half mir dann sogar noch den Berg hoch, über das Kopfsteinpflaster. Das nenne ich freundlich! Ich habe oft das Gefühl, wenn ich um Hilfe bitte, dass die Menschen Angst haben, etwas falsch zu machen. Eigentlich sollten nicht nur Menschen, die sich mit uns ,,auskennen“, uns helfen können, sondern auch die anderen. Wir sind auch nur Menschen! Viele gucken viel zu sehr nur auf sich, selbstverständlich gibt’s Ausnahmen. Da bin ich sehr froh drüber. Ich wohne in Halle und finde, es ist schon „behindertenfreundlich“, aber: Da geht MEHR! Es ist ein echter Kraftakt an manchen Stellen. Nicht überall abgesenkte Bordsteinkanten. Ich sitze in einem normalen Rollstuhl, und kann mich halbwegs selbstständig dort runter manövrieren. Doch für Leute im Rollstuhl ist das schon schwierig, vor allem weil der Großteil der Menschen nicht helfen. Wir sind keine Monster oder Außerirdischen, wir haben nur ein Handicap! Ich finde auch das Gaststätten, Restaurants und Schnell-Restaurants „behindertenfreundlich“ gemacht werden könnten /sollten, denn wenn eine Schwelle bzw. Treppe das Gebäude (egal welcher Art) unzugänglich macht, ist das für die Unternehmen verlorenes Geld. Natürlich gibt es da die Menschen, die helfen, aber da sind auch die, die wegschauen. Also: An die Stadt Halle: Noch mehr bauliche Barrieren müssen abgeschafft werden!!! An die Menschen da draußen: Ihr müsst keine Angst vor uns haben, reden soll helfen!!! Wenn ihr was nicht versteht oder euch unsicher seid, fragt einfach nach! Vielen Dank im Voraus.

Ein Beitrag von Paul Eichelbaum (Handi)